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Große Artenschutz – Aktion in Erftstadt

08.12.2020


Am Freitag, den 04.12.2020 wurden in den Ortschaften Bliesheim, Ahrem und Niederberg 16 Schwalben – Doppelhäuser und 14 Kotbretter (insg. 16,40 m) an insg. 11 Wohnhäusern angebracht. Der Dachdeckermeister Jochen Sahm aus Bliesheim (jochen-sahm-bedachungen.de) war von morgens bis zur Dämmerung für den Artenschutz im Einsatz. „Wir haben selber Schwalben am Haus und freuen uns jedes Jahr, wenn sie im Frühling wieder kommen“ sagt der Handwerker, der in Niederberg aufgewachsen ist.

 

Jochen Sahm befestigt Schwalbennester an den Häusern (Quelle: A. Mittelstaedt)

Die Kotbretter sorgen für eine friedliche Koexistenz von Mensch und Vogel: „Ich bin überglücklich, das ist wirklich ein ganz tolles Projekt! Dadurch wird unsere Lebensqualität enorm gesteigert“ schwärmte Martin Goossens aus Ahrem, der rückwärtig am Haus bis zu 9 Nester nebeneinander genau über der Terrasse hatte. Dachdeckermeister Sahm brachte unterhalb der Nester ein knapp 7m langes Brett an, damit das Kaffeetrinken auf der Terrasse wieder möglich ist.  Daran, die Nester zu entfernen, hätte der Hausbesitzer jedoch nie gedacht: „Wir lieben die Schwalben und freuen uns jetzt umso mehr, dass wir die Bretter bekommen haben“.

 

 

 

Organisiert wurde die Aktion von Astrid Mittelstaedt, Mitarbeiterin der Biologischen Station Bonn / Rhein-Erft e.V. und Projektleiterin des LEADER-Projektes „Na-Tür-Lich Dorf. Naturschutz vor der Haustür“.  Im Rahmen des Projektes soll die Artenvielfalt rund um’s Dorf erhalten, geschützt und gefördert werden. Astrid Mittelstaedt war während der Sommermonate durch die Dörfer gegangen, um zu schauen, an welchen Häusern Mehlschwalben brüten oder versucht haben, Nester zu bauen. Mittels Briefeinwurf bot sie den Hauseigentümern an, wahlweise Schwalbennisthilfen und/oder Kotbretter anbringen zu lassen. „Viele Menschen haben nichts gegen die Schwalben, wollen aber den Dreck nicht haben“, sagte die 39-jährige Dipl.-Geographin und Naturpädagogin.

 

 

Durch die Maßnahmen (Wert über 1.000,- €) werden die vorhandenen Rest – Populationen der Mehlschwalben in den Dörfern gestärkt. Die Mehlschwalbe legt ihre Nester, die aus bis zu 1.500 Lehmkügelchen bestehen, immer außen an Häusern an. Die Nester werden jedes Jahr wieder genutzt, daher ist es auch im Winter verboten, diese zu entfernen. In guten Jahren können die Schwalben zwei, in Ausnahmefällen sogar drei Bruten machen. Entsprechend viel Dreck fällt unterhalb der Nester an. Um ein harmonisches Miteinander von Mensch und Vogel zu gewährleisten, werden deshalb auch an den gewünschten Stellen Kotbretter angebracht, die in Zukunft die Hinterlassenschaften der Schwalben auffangen werden.

 

In den letzten sehr trockenen Sommern hatten die Schwalben Probleme, genug feuchten Lehm für ihren Nestbau zu bekommen. Auch machen ihnen fehlende Neststandorte aufgrund moderner Architektur, Vergrämung oder Entfernung der Nester schwer zu schaffen: Im Langzeittrend ist die Mehlschwalbenpopulation in Deutschland von 1980 – 2016 bereits um 44% zurückgegangen (https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/natura2000/Dokumente/Nationaler_Vogelschutz_Bericht_2019/Berichtsdaten/Brutvoegel/KrbisN_B.pdf S.47).

Ein weiterer Hauptfaktor für diesen Abwärtstrend ist der Insektenrückgang, denn Schwalben sind eigentlich als Nützlinge bekannt, die Fliegen, Bremsen, Mücken und Co. von Haus und Hof fernhalten.

 

Ansprechpartnerin:  Astrid Mittelstaedt, 0176-6524-9956,

a.mittelstaedt@biostation-bonn-rheinerft.de

Biologische Station Bonn/Rhein-Erft e.V.

www.biostation-bonn-rheinerft.de

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